Sachverständige & Gutachter
Immobiliengutachter und Immobiliensachverständiger: Kosten, Qualifikation, Auswahl
Preis: ab 1.200 €
Angebot kostenfrei – Kosten erst mit Ihrem Auftrag
Noch nicht sicher? Wert jetzt berechnen
Was kostet ein Immobiliengutachter oder Sachverständiger für Immobilienbewertung, welche Qualifikation zählt und woran erkennen Sie Unabhängigkeit?
Ein Immobiliengutachter ermittelt den Wert von Häusern, Wohnungen und Grundstücken – neutral, nachvollziehbar und nach den Verfahren der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV). Gebraucht wird er beim Kauf und Verkauf, bei Erbschaft, Schenkung und Scheidung, für das Finanzamt und vor Gericht.
Dieser Ratgeber zeigt, was ein Gutachter für Immobilien kostet, welche Qualifikation für welchen Zweck genügt, welche Unterlagen Sie bereitlegen sollten und wie Sie einen Immobiliengutachter in Ihrer Nähe finden.

Immobiliengutachter auf einen Blick
500 – 1.500 €
Kurzgutachten zum Verkehrswert von Haus oder Wohnung
Richtwerte 2026, zuzüglich Mehrwertsteuer
1.500 – 3.500 €
Verkehrswertgutachten für ein Einfamilienhaus
Faustregel: 0,5 bis 1 % des Verkehrswerts
90 – 180 €
Stundensatz für Stellungnahmen und Beratung
Gerichte zahlen nach JVEG 125 € je Stunde
§ 36 GewO
öffentliche Bestellung – die Qualifikation, die Gerichte bevorzugen
Daneben: Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024
Was macht ein Immobiliengutachter?
Ein Immobiliengutachter – auch Immobiliensachverständiger oder Sachverständiger für Immobilienbewertung genannt – ermittelt den Wert einer Immobilie zu einem bestimmten Stichtag. Er besichtigt das Objekt, wertet Grundbuch, Pläne und Marktdaten aus und wendet eines der drei Verfahren der ImmoWertV an: das Vergleichswert-, das Ertragswert- oder das Sachwertverfahren. Sein Ergebnis begründet er so, dass Käufer, Bank, Finanzamt oder Gericht es nachvollziehen können. Wie die Verfahren rechnen, zeigt der Ratgeber zum Verkehrswertgutachten an drei Beispielen.
Daneben übernehmen viele Immobiliengutachter weitere Aufgaben: Sie begleiten Kaufinteressenten zur Besichtigung, prüfen, ob ein Kaufpreis zum Markt passt, schätzen Mieten ein (Mietwertgutachten) oder bestimmen die Restnutzungsdauer eines vermieteten Hauses (Restnutzungsdauer-Gutachten). Für Bauschäden, Schimmel oder Schadstoffe sind dagegen Bausachverständige und andere Fachgutachter zuständig.
Immobiliengutachter, Immobiliensachverständiger oder Sachverständiger für Immobilienbewertung: Gibt es einen Unterschied?
Nein, alle drei Bezeichnungen meinen dieselbe Tätigkeit: die Wertermittlung von Häusern, Wohnungen und Grundstücken. Im Alltag ist häufiger vom Immobiliengutachter oder Hausgutachter die Rede, bei Gericht und in Erbschaftsfällen eher vom Immobiliensachverständigen. „Sachverständiger für Immobilienbewertung“ beschreibt das Fachgebiet am genauesten; bei der öffentlichen Bestellung heißt das Sachgebiet „Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken“.
Geschützt ist keine dieser Bezeichnungen: Jeder darf sich Gutachter oder Sachverständiger nennen, und ein Bausachverständiger ist nicht automatisch Experte für den Verkehrswert. Aussagekräftig sind erst zwei Zusätze. „Öffentlich bestellt und vereidigt“ (§ 36 GewO) heißt, dass die bestellende Stelle – meist die IHK – die besondere Sachkunde geprüft hat; die Bestellung ist befristet. „Zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024“ heißt, dass eine akkreditierte Zertifizierungsstelle geprüft hat und das befristete Zertifikat überwacht. Welche Qualifikation für welchen Zweck genügt, zeigt der Vergleich der Qualifikationen.
Wann brauchen Sie einen Immobiliengutachter?
Immer dann, wenn Sie den Wert einer Immobilie verlässlich kennen müssen – für eine eigene Entscheidung oder weil ein Dritter ihn verlangt:
- Kauf und Verkauf: Verkäufer erfahren, welcher Preis realistisch ist; Käufer prüfen, ob der geforderte Preis gerechtfertigt ist. Den baulichen Zustand vor dem Kauf prüft ergänzend ein Bausachverständiger – mehr beim Gutachter beim Hauskauf.
- Erbschaft und Schenkung: Das Finanzamt setzt einen eigenen Grundbesitzwert an, der oft über dem Marktwert liegt. Mit einem Verkehrswertgutachten fürs Finanzamt lässt sich ein niedrigerer Wert nachweisen. Was nach einem Erbfall sonst zu tun ist, vom Erbschein bis zur Steuerbefreiung für das selbst bewohnte Haus, erklärt der Ratgeber Haus geerbt: Was tun?
- Erbengemeinschaft: Gehört eine Immobilie mehreren Erben, schafft ein neutrales Gutachten die Grundlage für eine faire Aufteilung oder Auszahlung.
- Scheidung: Beim Zugewinnausgleich zählt der Wert der Immobilie zu zwei Stichtagen. Ein Gutachten beugt Streit vor und ist vor Gericht die übliche Grundlage.
- Zwangsversteigerung: Das Vollstreckungsgericht setzt den Verkehrswert fest und zieht dafür in der Regel einen Sachverständigen hinzu.
- Vermietung und Abschreibung: Ein Gutachten zur Restnutzungsdauer kann eine höhere Abschreibung begründen, ein Mietwertgutachten belegt die ortsübliche Miete.
- Finanzierung: Die Bank bewertet die Immobilie für den Kredit selbst. Ein eigenes Gutachten hilft, wenn Sie den Kaufpreis vorab prüfen oder bei einer Anschlussfinanzierung einen höheren Wert belegen möchten.
- Betriebsvermögen: Wird eine Immobilie in ein Unternehmen eingebracht oder aus ihm entnommen, braucht die Bilanz einen belegten Wert.
Ist ein Immobiliengutachter Pflicht?
Vor einem Kauf oder Verkauf schreibt kein Gesetz einen Gutachter vor. Gebraucht wird ein Gutachten dort, wo ein Wert gegenüber Dritten Bestand haben muss: im Zwangsversteigerungsverfahren, in Prozessen um Zugewinn, Pflichtteil oder Erbauseinandersetzung und immer dann, wenn Sie dem Finanzamt einen niedrigeren Wert als den eigenen Ansatz nachweisen wollen (§ 198 Bewertungsgesetz).
Einigen sich Erben oder Ehepartner einvernehmlich, kommen sie auch ohne Gutachten aus. Ein neutraler Wert beugt aber späterem Streit vor – dafür genügt oft ein Kurzgutachten, das deutlich weniger kostet als ein Vollgutachten.
Was kostet ein Immobiliengutachter?
Eine verbindliche Gebührenordnung gibt es nicht: Seit 2009 ist die Wertermittlung nicht mehr Teil der HOAI, das Honorar wird frei vereinbart. Viele Sachverständige orientieren sich am Verkehrswert der Immobilie, andere rechnen pauschal oder nach Stunden ab. Die Tabelle zeigt übliche Preisspannen für die typischen Leistungen eines Immobiliengutachters.
| Leistung | Wofür | Richtpreis 2026 |
|---|---|---|
| Kurzgutachten zum Verkehrswert | Kauf, Verkauf, einvernehmliche Erbteilung oder Scheidung | 500 bis 1.500 Euro |
| Verkehrswertgutachten (Vollgutachten) für ein Einfamilienhaus | Finanzamt, Gericht, Erbstreit, Scheidung | 1.500 bis 3.500 Euro |
| Verkehrswertgutachten für größere oder teure Objekte | Mehrfamilienhaus, Gewerbe, Villa | 0,5 bis 1 Prozent des Verkehrswerts |
| Kaufbegleitung mit Ortstermin | Besichtigung und Preiseinschätzung vor dem Kauf | 400 bis 900 Euro |
| Gutachten zur Restnutzungsdauer | höhere Abschreibung bei Vermietung | 500 bis 1.500 Euro |
| Mietwertgutachten | ortsübliche Miete für Mieterhöhung, Mietpreisbremse, Vermietung an Angehörige oder Gewerbe | rund 400 bis 2.000 Euro laut Angeboten im Internet |
| Wohnflächenberechnung mit Aufmaß vor Ort | Mietvertrag, Verkauf, Streit um die Wohnfläche | ab rund 150 Euro laut Angeboten im Internet, bei Häusern mit Dachgeschoss mehr |
| Gutachterliche Stellungnahme | eine konkrete Frage, etwa zum Wert eines Wohnrechts | nach Aufwand, 90 bis 180 Euro je Stunde |
| Gerichtsgutachten | vom Gericht beauftragt | 125 Euro je Stunde nach JVEG; am Ende zahlt die unterlegene Partei |
| Gutachterausschuss | Antrag von Eigentümern, Erben, Behörden oder Gerichten | Gebühr nach Landesrecht, in Berlin mindestens 850 Euro, bei 500.000 Euro Verkehrswert rund 2.500 Euro |
Alle Angaben sind Nettopreise; hinzu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer und Auslagen, etwa für Grundbuchauszug, Flurkarte oder Fahrten. Was ein Wertgutachten für Haus und Wohnung kostet, rechnet der Ratgeber zum Verkehrswertgutachten an Beispielen in Euro vor; alle übrigen Gutachten rund ums Haus finden Sie unter Hausgutachten: Arten und Kosten.
Wovon hängen die Kosten ab?
- Zweck: Ein Gutachten für Gericht oder Finanzamt muss jeden Rechenschritt belegen und kostet mehr als eine Einschätzung für den privaten Verkauf.
- Objekt: Größe, Zahl der Wohnungen, Nebengebäude und Nutzungsart bestimmen die Arbeitszeit vor Ort und am Schreibtisch.
- Rechte und Lasten: Wohnrecht, Nießbrauch, Erbbaurecht, Baulasten oder Denkmalschutz müssen gesondert bewertet werden.
- Stichtage: Beim Zugewinnausgleich braucht es den Wert zu Beginn und am Ende der Ehe – zwei Bewertungen in einem Gutachten.
- Unterlagen: Fehlen Grundrisse oder Wohnflächenberechnung, muss der Gutachter sie beschaffen oder selbst aufmessen.
Wer zahlt den Immobiliengutachter?
Wer den Gutachter beauftragt, zahlt ihn: vor dem Kauf meist der Käufer, für die Preisfindung der Verkäufer. Erbengemeinschaften und Ehepartner teilen sich die Kosten, wenn sie das Gutachten gemeinsam beauftragen. Die Bewertung der Bank für einen Kredit ist ein eigener Vorgang – sie dient der Bank und ersetzt kein Gutachten für Ihre Zwecke. Im Gerichtsverfahren trägt am Ende die unterlegene Partei die Kosten des Sachverständigen.
Kann ich die Kosten von der Steuer absetzen?
Wer die Immobilie selbst bewohnt, kann die Kosten in der Regel nicht absetzen – ein Gutachten ist weder Handwerkerleistung noch haushaltsnahe Dienstleistung. Vermieter machen sie meist als Werbungskosten geltend. Bei einer Erbschaft können Gutachterkosten zu den Kosten der Nachlassregelung zählen; ohne Einzelnachweis zieht das Finanzamt für Bestattung, Grabpflege und Nachlassregelung zusammen pauschal 15.000 Euro ab (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG). Den Einzelfall klärt Ihr Steuerberater.
Kostenlose Bewertung online oder vom Makler: Reicht das?
Online-Rechner und Makler schätzen den Wert kostenlos. Für eine erste Orientierung vor dem Verkauf genügt das oft; ein Gutachten ersetzt es nicht: Der Rechner sieht die Immobilie nie, und der Makler möchte den Verkaufsauftrag. Wie genau die einzelnen Wege sind und was sie kosten, vergleicht der Ratgeber Immobilienbewertung: Kosten und Möglichkeiten.
Qualifikation: Welcher Immobiliengutachter für welchen Zweck?
Welche Qualifikation Ihr Gutachter braucht, hängt davon ab, wer das Ergebnis später anerkennen soll. Die Übersicht vergleicht die fünf Gruppen, auf die Sie bei der Suche treffen.
| Qualifikation | Wer prüft und überwacht? | Anerkannt bei | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Öffentlich bestellt und vereidigt (§ 36 GewO) | Die bestellende Stelle, meist die IHK, prüft die besondere Sachkunde; die Bestellung ist befristet und verpflichtet zu Unabhängigkeit und Unparteilichkeit | Gerichten, die öffentlich bestellte Sachverständige bevorzugen sollen (§ 404 Abs. 3 ZPO), Finanzamt, Behörden, Banken | Gericht, Erbstreit, Scheidung, Finanzamt |
| Zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024 | Eine akkreditierte Zertifizierungsstelle, etwa HypZert, DIAZert, Sprengnetter Zert oder DEKRA; das Zertifikat ist befristet und wird überwacht | Finanzamt (§ 198 Abs. 2 BewG), Banken; Gerichte können sie beauftragen | Finanzamt, Bank, Erbe, Verkauf |
| Gutachterausschuss (§ 192 BauGB) | Unabhängiges Gremium aus einem Vorsitzenden und ehrenamtlichen Gutachtern bei Stadt oder Kreis | Finanzamt (§ 198 Abs. 2 BewG), Gerichten, Behörden | Erbschaft, Schenkung, Pflichtteil |
| Freier Sachverständiger mit Verbandsmitgliedschaft oder Weiterbildung | Verband oder Bildungsträger; keine staatliche Prüfung | Privaten Auftraggebern | Kauf, Verkauf, einvernehmliche Einigung |
| Immobilienmakler | Keine Prüfung als Gutachter | Nur als Orientierung | Angebotspreis vor dem Verkauf |
Checkliste: Einen guten Immobiliengutachter erkennen
- Die Qualifikation passt zum Zweck: für das Gericht öffentlich bestellt und vereidigt, für das Finanzamt bestellt, zertifiziert oder der Gutachterausschuss
- Das Sachgebiet stimmt: „Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken“ – ein Bausachverständiger ist nicht automatisch Experte für den Verkehrswert
- Unabhängigkeit: kein Interesse am Verkauf, an einer Provision oder an der Finanzierung
- Ortskenntnis: kennt Bodenrichtwerte, Grundstücksmarktbericht und Vergleichspreise Ihrer Region
- Schriftliches Angebot mit Leistungsumfang, Honorar, Nebenkosten und Liefertermin
- Berufshaftpflichtversicherung für Fehler im Gutachten
Ob ein Sachverständiger öffentlich bestellt ist, können Sie im bundesweiten Sachverständigenverzeichnis der IHKs nachprüfen.
Unabhängiger Immobiliengutachter: Warum Neutralität zählt
Eine Einschätzung des Werts bekommen Sie an vielen Stellen, oft kostenlos. Entscheidend ist, wessen Interesse die Bewertung dient. Ein unabhängiger Immobiliengutachter hat am Ergebnis kein eigenes Interesse: Er wird für das Gutachten bezahlt, nicht für einen Verkauf oder einen Kredit. Auf seinen Wert können sich deshalb beide Seiten stützen – Käufer und Verkäufer ebenso wie Miterben oder Ehepartner.
Wer bewertet in wessen Interesse?
Makler und Bank
Bewerten für den eigenen Auftrag
- Der Makler bewertet meist kostenlos und verdient erst an der Provision, wenn er die Immobilie verkauft.
- Er möchte den Verkaufsauftrag gewinnen – seine Einschätzung ist rechtlich nicht belastbar.
- Die Bank ermittelt einen vorsichtigen Beleihungswert, der meist unter dem Marktwert liegt.
- Sie bewertet für ihre Kreditentscheidung; für Verkauf, Erbe oder Finanzamt können Sie diese Bewertung nicht verwenden.
Unabhängiger Gutachter
Bewertet im Auftrag, ohne Interesse am Ergebnis
- Wird für das Gutachten bezahlt, nicht für Verkauf, Provision oder Finanzierung
- Ermittelt den Verkehrswert nach den Verfahren der ImmoWertV
- Begründet jeden Rechenschritt so, dass Dritte ihn nachvollziehen können
- Mit passender Qualifikation auch für Finanzamt und Gericht verwendbar
Wertlos sind Makler- und Bankbewertungen damit nicht: Gute Makler kennen den lokalen Markt, und für den Angebotspreis vor einem Verkauf genügt ihre Einschätzung oft. Welche Bewertung für welchen Anlass reicht und was sie kostet, zeigt der Ratgeber Immobilienbewertung im Vergleich.
Woran Sie einen unabhängigen Immobiliengutachter erkennen
- Kein Geschäft mit der Immobilie: Der Gutachter vermittelt sie nicht, finanziert sie nicht und erhält keine Provision. Bietet er Verkauf, Kredit oder Sanierung gleich mit an, fragen Sie nach.
- Honorar vorab vereinbart: Leistungsumfang, Honorar und Nebenkosten stehen im schriftlichen Angebot, bevor der Gutachter das Objekt besichtigt. Ein Honorar, das von einem gewünschten Ergebnis abhängt, passt nicht zu einem neutralen Gutachten.
- Keine Nähe zu einer Seite: Der Gutachter ist mit keinem der Beteiligten verwandt oder geschäftlich verbunden. Streiten Erben oder Ehepartner über den Wert, beauftragen sie ihn am besten gemeinsam.
- Nachvollziehbare Begründung: Das Gutachten nennt Stichtag, Verfahren und Datenquellen und leitet den Wert Schritt für Schritt her – eine bloße Zahl genügt nicht.
- Verpflichtung zur Unparteilichkeit: Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sind durch ihre Bestellung zu Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verpflichtet. Der Gutachterausschuss ist nach § 192 BauGB ein selbständiges, unabhängiges Gremium.
Spezialisierung: Welcher Gutachter für welche Frage?
Nicht jeder Immobiliengutachter bewertet jedes Objekt. Für Gewerbe, Landwirtschaft oder Sonderimmobilien gibt es eigene Spezialisten, und geht es um Bauschäden, Schimmel oder Schadstoffe, ist statt eines Wertgutachters ein Baugutachter mit passendem Fachgebiet gefragt:
| Gutachter | Aufgabenbereich |
|---|---|
| Gutachter für Haus und Grundstück | Immobilienbewertung sowie Markt-/Verkehrswertgutachten von Gebäuden und Wertermittlung von Grundstücken |
| Gutachter für Eigentumswohnungen | Wert einer Eigentumswohnung im Vergleichswertverfahren; vor dem Kauf zusätzlich Teilungserklärung, Protokolle, Erhaltungsrücklage und Zustand des Gemeinschaftseigentums |
| Sachverständiger für Grundstücksbewertung | Verkehrswertermittlung von Baugrundstücken und unbebauten Flächen, auch Bauerwartungsland: der Bodenrichtwert als Ausgangspunkt, dazu Zuschnitt, Erschließung, Baurecht, Altlasten und Wegerechte |
| Gutachter für Mehrfamilienhäuser | Immobilienbewertung größerer Gebäude (Eigentumswohnungen oder Mietwohnungen) |
| Gutachter für Gewerbeimmobilien | Verkehrswertgutachten für gewerblich genutzte Immobilien (Bürogebäude, Gewerbegebäude und Produktionsstätten) |
| Gutachter für Landwirtschaft | Verkehrswertgutachten für landwirtschaftlich genutzte Gebäude, Anlagen und Flächen (Ställe, Äcker, Weiden etc.) |
| Sachverständiger für Bauschäden | Beweissicherung, Schadensbild erfassen, Schadenshöhe taxieren, Schadensursache bestimmen, Lösungen vorschlagen |
| Gutachter für Schadstoffe im Haus | Untersuchung der Schadstoffbelastung von Baumaterialien und Gebäuden (Asbest, polychlorierte Biphenyle (PCB), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Holzschutzmittel (PCP, Lindan, Carbolineum), Schwermetalle, Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), kurzkettige Lösungsmittel, Formaldehyd, lungengängige und biobeständige künstliche Mineralfasern, Radon, Taubenkot) |
| Schimmelgutachter | Bewertung von Schimmelschäden, Analyse der Ursache von Schimmelaufkommen und Empfehlung von Lösungsmaßnahmen |
| Experte für Luftqualität | Untersuchung und Bewertung der Raumluftqualität in Wohn- und Gewerbegebäuden |
Unterlagen-Checkliste für den Immobiliengutachter
Je vollständiger die Unterlagen, desto schneller und günstiger das Gutachten: Was fehlt, muss der Sachverständige selbst beschaffen oder aufmessen – und berechnet die Zeit dafür. Diese Unterlagen sollten Sie vor dem Ortstermin bereitlegen:
| Unterlage | Wo Sie sie bekommen | Wofür der Gutachter sie braucht |
|---|---|---|
| Aktueller Grundbuchauszug | Grundbuchamt beim Amtsgericht oder über einen Notar | Eigentum, Rechte und Lasten wie Wohnrecht, Nießbrauch oder Grundschulden |
| Flurkarte (Liegenschaftskarte) | Kataster- oder Vermessungsamt, in vielen Ländern online | Grenzen, Zuschnitt und Größe des Grundstücks |
| Auskunft aus dem Baulastenverzeichnis | Bauaufsichtsbehörde von Stadt oder Kreis; in Bayern gibt es kein Baulastenverzeichnis | Eingetragene Baulasten, etwa Wege- oder Abstandsflächenbaulasten |
| Baugenehmigung, Baupläne, Grundrisse und Schnitte | Eigene Unterlagen, sonst Akteneinsicht bei der Bauaufsicht | Bauweise, Flächen und genehmigte Nutzung |
| Wohnflächenberechnung | Bauakte, Kaufvertrag oder Architekt; sonst Aufmaß – eine erste Rechnung liefert der kostenlose Wohnflächen-Rechner | Bezugsgröße für Vergleichs- und Ertragswert |
| Baubeschreibung und Nachweise über Modernisierungen | Eigene Unterlagen, Rechnungen von Handwerkern | Ausstattungsstandard und Restnutzungsdauer |
| Energieausweis | Eigene Unterlagen oder Aussteller | Energetischer Zustand; beim Verkauf ohnehin Pflicht |
| Mietverträge und Mietaufstellung | Eigene Unterlagen | Ertragswert vermieteter Objekte |
| Bei Eigentumswohnungen: Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlungen, Wirtschaftsplan, Stand der Erhaltungsrücklage | Hausverwaltung | Sondereigentum, geplante Sonderumlagen, Zustand des Gemeinschaftseigentums |
| Bei Erbbaurecht oder Denkmal: Erbbaurechtsvertrag, Denkmalbescheid | Eigene Unterlagen, Denkmalbehörde | Laufzeit und Erbbauzins, Auflagen des Denkmalschutzes |
Vor dem Ortstermin erledigen
- Zweck und Stichtag des Gutachtens schriftlich festhalten – er bestimmt Form und Umfang
- Zugang zu allen Räumen, Keller, Dachboden und Nebengebäuden sicherstellen
- Mieter rechtzeitig über den Termin informieren
- Bekannte Mängel, Schäden und Reparaturen notieren
- Kopien bereitlegen, Originale behalten
So arbeitet ein Immobiliengutachter: der Ablauf
Anfrage und Angebot
Sie nennen Objekt, Zweck und Stichtag. Der Sachverständige schlägt die passende Gutachtenform vor und nennt Honorar, Nebenkosten und Liefertermin.
Unterlagen prüfen
Grundbuch, Pläne und Flächen werden ausgewertet; fehlende Unterlagen fordert der Gutachter an oder beschafft sie selbst.
Ortstermin
Besichtigung aller Räume mit Fotos, Aufnahme von Zustand, Ausstattung und Mängeln – je nach Objekt dauert sie eine bis mehrere Stunden.
Wertermittlung
Bodenwert aus dem Bodenrichtwert, dazu Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren mit den Marktdaten des Gutachterausschusses.
Gutachten und Besprechung
Ein Kurzgutachten liegt meist nach ein bis zwei Wochen vor, ein Vollgutachten nach zwei bis vier Wochen. Offene Fragen klären Sie im Abschlussgespräch.
Welche Form Sie brauchen – Vollgutachten, Kurzgutachten oder gutachterliche Stellungnahme – und wie der Wert in den drei Verfahren konkret berechnet wird, erklärt der Ratgeber zum Verkehrswertgutachten.
Immobiliengutachter in Ihrer Nähe finden
Ein Gutachter aus der Region kennt Bodenrichtwerte, Lagen und Preise vor Ort und spart Fahrtkosten. Über die kostenfreie Anfrage leiten wir Ihr Anliegen an Sachverständige für Verkehrswert und Immobilienbewertung in Ihrer Region weiter, und Sie erhalten ein unverbindliches Angebot.
Häufige Fragen zum Immobiliengutachter
Was kostet ein Immobiliengutachter?
Ein Kurzgutachten kostet meist 500 bis 1.500 Euro, ein Verkehrswertgutachten für ein Einfamilienhaus 1.500 bis 3.500 Euro. Für größere Objekte gilt als Faustregel ein Honorar von 0,5 bis 1 Prozent des Verkehrswerts. Stellungnahmen werden meist nach Stunden abgerechnet, üblich sind 90 bis 180 Euro. Hinzu kommen Mehrwertsteuer und Auslagen.
Wann muss ich einen Immobiliengutachter beauftragen?
Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Gutachter weder beim Kauf noch beim Verkauf. Gebraucht wird ein Gutachten, wenn ein Wert gegenüber Dritten Bestand haben muss: beim Finanzamt für Erbschaft oder Schenkung, vor Gericht bei Erbstreit, Scheidung oder Pflichtteil und in der Zwangsversteigerung. Beim Kauf und Verkauf lohnt es sich, wenn Sie den Preis neutral prüfen lassen wollen.
Wer darf ein Immobiliengutachten erstellen?
Grundsätzlich jeder, denn „Gutachter“ ist keine geschützte Bezeichnung. Das Finanzamt erkennt nach § 198 BewG Gutachten des Gutachterausschusses und von Sachverständigen an, die für die Wertermittlung von Grundstücken bestellt oder nach DIN EN ISO/IEC 17024 zertifiziert sind. Gerichte ziehen bevorzugt öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige heran.
Was ist ein Sachverständiger für Immobilienbewertung?
Er ermittelt den Verkehrswert von Häusern, Wohnungen und Grundstücken nach den Verfahren der ImmoWertV – gemeint ist dasselbe wie mit Immobiliengutachter oder Immobiliensachverständiger. Geschützt ist die Bezeichnung nicht. Belastbar wird sie durch eine öffentliche Bestellung für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken oder eine Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024; Gutachten solcher Sachverständiger lässt das Finanzamt nach § 198 BewG als Nachweis zu.
Wie finde ich einen qualifizierten Immobiliengutachter?
Achten Sie auf eine öffentliche Bestellung für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken oder eine Zertifizierung nach DIN EN ISO/IEC 17024, auf Unabhängigkeit und auf Erfahrung in Ihrer Region. Öffentlich bestellte Sachverständige finden Sie im Verzeichnis der IHKs; über unsere kostenfreie Anfrage vermitteln wir Ihnen Sachverständige für Immobilienbewertung in Ihrer Region.
Welche Unterlagen braucht der Immobiliengutachter?
Grundbuchauszug, Flurkarte, Auskunft aus dem Baulastenverzeichnis, Baugenehmigung und Pläne, Wohnflächenberechnung, Baubeschreibung, Nachweise über Modernisierungen und den Energieausweis. Bei vermieteten Objekten kommen Mietverträge hinzu, bei Eigentumswohnungen Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlungen und Wirtschaftsplan.
Wie lange dauert ein Immobiliengutachten?
Ein Kurzgutachten liegt meist ein bis zwei Wochen nach dem Ortstermin vor, ein Vollgutachten nach zwei bis vier Wochen. Fehlen Unterlagen oder sind Rechte wie ein Wohnrecht zu bewerten, dauert es länger. Beim Gutachterausschuss sind die Bearbeitungszeiten häufig länger als bei freien Sachverständigen.
Was ist der Unterschied zwischen Immobiliengutachter und Makler?
Der Makler schätzt den Wert meist kostenlos, weil er den Verkaufsauftrag erhalten möchte; seine Einschätzung ist rechtlich nicht belastbar. Der Immobiliengutachter wird für seine Arbeit bezahlt, hat kein Interesse am Verkauf und begründet den Wert nach den Verfahren der ImmoWertV – sein Gutachten können Finanzamt und Gericht verwenden.
Woran erkenne ich einen unabhängigen Immobiliengutachter?
Daran, dass er kein eigenes Interesse am Ergebnis hat: Er vermittelt und finanziert die Immobilie nicht, erhält keine Provision und nennt sein Honorar vorab im schriftlichen Angebot. Er ist mit keinem der Beteiligten verbunden und begründet den Wert nachvollziehbar. Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sind durch ihre Bestellung zu Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verpflichtet.
Kann ich die Kosten für ein Immobiliengutachten steuerlich absetzen?
Bei selbst genutzten Immobilien in der Regel nicht. Vermieter setzen die Kosten meist als Werbungskosten ab. Bei einer Erbschaft können sie zu den Kosten der Nachlassregelung zählen, für die das Finanzamt ohne Nachweis pauschal 15.000 Euro abzieht. Den Einzelfall klärt Ihr Steuerberater.
Im Verzeichnis
Profile nach Bundesland
Eine Auswahl von Sachverständigen zu diesem Fachgebiet. Jeder Name führt auf das Profil mit Bestellung, Anschrift und Kontaktweg.